Vom Glück, kein chinesischer Schüler zu sein

Nach den Feiertagsferien heißt es für das Kind morgens: Angetreten zum Fahnenappell. Schulbesuch in Peking. Zusammen mit L., dem chinesischen Berliner, der die Aufgabe übernimmt, das Kind durch den unbekannten Schulalltag zu navigieren.

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Das Kind fällt auf. Weil es nicht im weißen Trainingsanzug mit rotem Halstuch, der hiesigen Schuluniform, durchs Tor schreitet. Und weil es nicht wirklich mithalten kann, wenn es mit Gleichschritt im Gänsemarsch im Kollektiv durchs Schulhaus geht. Wenigstens ist die Verständigung im Unterricht kein Problem: “Man muss nur den Mund halten in der chinesischen Schule und gerade dasitzen, es redet sowieso nur die Lehrerin”, so der Bericht hinterher.

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Etwas schockierend ist für das Kind allerdings die Erkenntnis, dass das Stillsitzen und Zuhören auch für den Musikunterricht gilt.

Egal, nach Schulschluss darf auch der chinesische Nachwuchs mal kurz blödeln. Wenn auch nur auf dem Sportplatz und nur, weil der Besuch aus dem Ausland daneben steht.

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Zumal auch L. als Ausländer gilt, obwohl er eine chinesische Mutter und einen chinesischen Vater hat. Doch seine Mutter hat einen deutschen Pass, so einfach wird man ausgebürgert in China. Kinder von Eltern ohne chinesische Pässe können per se keine Chinesen sein.

Das scheint einem Angehörigen eines sich ständig vom Aussterben bedroht sehenden Volkes (das jedem Menschen mit deutschem Schäferhund mit Vergnügen einen deutschen Pass gewährt) absurd. Doch die Chinesen haben mit dem Aussterben ja bekanntlich weniger Probleme, zumindest aktuell.

Der Ausschluss von passfremd Gezeugten hat jedoch einen ganz anderen Grund. Ausländer müssen horrende Gebühren zahlen für Kindergärten, Schulen, Universität, aber auch für Gesundheitsfürsorge, von den Gebühren für die jährlich zu verlängerenden Aufenthaltstitel ganz zu schweigen. Dabei geht es weniger um die zeitweilig hier arbeitenden Deutschen, Franzosen, Amerikaner, sondern um die Auslandschinesen, die der Wirtschaftsboom und die unternehmerischen Chancen zurück in ihr Heimatland lockt…

Einen Vorteil hat diese Exkursion in die Pekinger Schule auf jeden Fall: Die Schule in Berlin erscheint dem kleinen Weltreisenden nun endgültig als Hort der Glückseligkeit.

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